David Bowie Seite 6

Augen und Ohren, und du wirst beeinflusst - du kannst es gar nicht verhindern.« David Jones will es auch gar nicht verhindern. Wie ein Schwamm saugt er alle Klänge, Gerüche und Moden von Swinging London in sich auf, um sie zu bündeln und zu eigenen Entwürfen zu formen - aber immer einen Augenblick zu spät. Ein Jahr später wird Bob Dylan mit all der Häme, derer seine Stimme fähig ist, singen: »Irgendwas passiert hier, und Sie wissen nicht, was es ist - nicht wahr, Mr. Jones?« David muß frontal von diesem Satz erwischt worden sein.
Die Lower Third werden wiederum von Shel Talmy produziert, der inzwischen den Who und den Kinks seinen Stempel aufgedrückt hat. David trennt sich jetzt freiwillig von seinem langen Haar und stilisiert sich zum Mod. Für die Single »You've Got A Habit Of Leaving« zeichnet er zum letzten Mal mit dem Namen Jones.
Vom ersten Gitarrenakkord an lassen hier die frühen Who grüßen; unverkennbar der Versuch, deren Gemisch aus Pillenlethargie und infernalischem Druck zu reproduzieren. Gitarre und Baß bemühen sich im Mittelteil, das genialische Chaos von »My Generation« nachzustellen. Aber weder Melodie noch Text sind in irgendeiner Weise bemerkenswert. Willig war Davy Jones wieder einmal etwas zu sehr, eigenwillig und eigensinnig immer noch zu wenig.
Auf Anregung von Kenneth Pitt, einem Impresario, der sich aus der Welt von Cabaret und Theater auch erfolgreich in den Popmusikbereich herübergetastet hatte, legt sich David den Nachnamen »Bowie« zu. Vom amerikanischen Bowiemesser war er immer schon fasziniert, und angeblich taucht der Name auch in seiner Verwandtschaft mütterlicherseits auf. Der Grund der Umbenennung ist einfach: In Amerika steigt seit einiger Zeit ein anderer Davy Jones, übrigens auch ein Engländer, im Rahmen einer der ersten durchkalkulierten Popkarrieren- vom-Reißbrett zum Weltstar auf. Er ist Leadsänger der Monkees, einer Band, die es eigentlich gar nicht gab und die nur zwecks Herstellung einer Fernsehserie über eine fiktive Popgruppe zusammengeklont wurde, später allerdings ein Eigenleben annahm.
Um Verwechslungen zu vermeiden, zieht der nach wie vor erfolglos um seine künstlerische Identität strampelnde Lower-Third-Sänger seinen Namen aus dem Verkehr und macht mit seiner merkwürdigen Neuschöpfung einen weiteren Schritt in die Besonderheit. Kenneth Pitt, der sich seit einiger Zeit um Jones/Bowie kümmert, unterstützt jeden dieser Schritte mit den Augen eines Liebenden. Zu sagen, dass Pitt Bowie managte, wäre eine lächerliche Geringschätzung. Er hält ihn aus, befragt, prüft, fordert ihn, er umgibt diesen zierlichen Eleven

Wird fortgesetzt …

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